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Bild: Volha Kavalenkava/123f.com

Ständig reden wir von Dingen, die wir ausprobieren wollen. Viel zu oft bleibt es bei dem Gedankenspiel. In unserer neuen Rubrik „Einmal im Leben“ ändern wir das.

Unsere Gesellschaft verbannt das Metaphysische gerne aus dem Alltag. Viele Menschen wollen nicht wahrhaben, buy dass Aberglaube und Religion eine ernstzunehmende Hilfe sein können. Mich hat die Suche danach zu einer Kartenlegerin geführt. Einmal will ich versucht haben, in meine eigene Zukunft zu blicken. Und so sitze ich nun an einem kleinen Holztisch, mische Karten und presse dabei krampfhaft meine Füße gegen den Boden, „damit die Energie von der Erde über dich in die Karten fließt“, wie die Kartenleserin erklärt.

Die beigefarbene Hose der Dame passt farblich perfekt zur geblümten Bluse und den adrett frisierten Haaren. Ihre Augen sind dick und effektvoll mit schwarzem Kajal umrandet. Diese Frau soll meine Zukunft kennen?

Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, und daher ein paar harmlose Fragen vorbereitet: Werde ich eine schöne Wohnung finden? Wann soll ich ein Auslandsstudium machen? Was sagt die Zukunft über mein Liebesleben?

Die Kartenleserin starrt und tippt auf die Karten. „Du wirst eine passende Unterkunft finden“, erklärt sie mit ihrer warmen, weichen Stimme. Inhaltlich bleiben die Aussagen schwammig, aber es ist spannend, mein Schicksal aus dem Mund einer Fremden zu hören. Schließlich kennt sie mich absolut nicht und liest aus nur vier Spielkarten.

Im zweiten Durchlauf ziehe ich zehn Karten: Auf einer thront eine Königin, auf einer anderen durchsticht ein Schwert ein blutrotes Herz, auf einer dritten kniet ein junger Mann und weint. Mein Liebesleben wird wohl nicht sehr rosig. Und tatsächlich: „Im nächsten halben Jahr sehe ich definitiv keine Beziehung“, murmelt die Kartenleserin erstaunlich sicher. Dann schaut sie mich eindringlich an: „Man darf aber nie vergessen: Karten sind Karten sind Karten.“

 

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen UnAufgefordert (Nr. 229, Januar 2015).