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Es ist fast schon Kult. Das grüne Papier, buy cialis das jedes Semester aufs Neue im Briefkasten liegt und spätestens nach ein paar Wochen im Portemonnaie mit Eselsohren und Knicken übersät ist. Von Studierenden anderer Unis ernten die Papierausweise schon länger skeptische Blicke. Zu alt, zu antiquiert wirkt der großformatige Fetzen, der so gar nicht zum Selbstbild der modernen, technisierten Uni passt.

Doch damit könnte bald Schluss sein. An der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) ist die Einführung eines elektronischen Studierendenausweises im Scheckkartenformat geplant. Schon in den nächsten Wochen werden die ersten Testnutzer in einer Pilotphase die „CampusCard“ erhalten, ab dem Sommersemester 2015 erfolgt dann die sukzessive Umstellung. Spätestens ab Anfang 2016 soll es keine Papierausweise mehr geben.

Den großen Vorteil der Karte sieht Tamás Molnár, der zuständige Projektleiter beim Computer- und Medienservice (CMS) der HU, in der Vereinfachung für die Studierenden. Der Barcode für die Bibliothek kann nicht mehr zerknicken oder unlesbar werden, eine Mensacard ist direkt integriert und optional gibt es auch eine Variante mit Foto, so dass bei einer Fahrkartenkontrolle nicht mehr der Personalausweis vorgezeigt werden muss. Die CampusCard ist auf der Rückseite mit einem wiederbeschreibbaren Bereich ausgestattet, auf dem der Gültigkeitszeitraum und das Semesterticket aufgedruckt sind. Zur Aktualisierung soll es auf dem Campus sechs Automaten geben, die mit konzentrierter Hitze den Gültigkeitsbereich in wenigen Sekunden überschreiben können. Neuimmatrikulierte erhalten per Post einen QR-Code, mit dem sie sich ihren Ausweis an Automaten abholen können.

Das Projekt ist eine Kooperation von sechs Berliner Hochschulen, darunter auch die Freie Universität und die Charité. Die CampusCard basiert auf einem einheitlichen System und unterscheidet sich nur durch ein hochschulspezifisches Design. Langfristig erhoffe sich die Verwaltung eine Kostenersparnis, weil nicht jedes Semester zehntausende Briefe mit neuen Studierendenausweisen verschickt werden müssen, wie Molnár erklärt. Er sieht in der CampusCard vor allem einen großen Gewinn für das Image der Universität: „Ein Papierausweis sieht 2014 einfach nicht mehr zeitgemäß aus.“

Weniger begeistert sind Studierendenvertreter. Die Referent_Innen für Politisches Mandat und Datenschutz sehen keine Notwendigkeit für die Chipkarte und stehen dem Projekt kritisch gegenüber. „Die Argumentation, dass eine multifunktionale Plastikkarte schlichtweg praktischer sei als ein unhandlicher Papierausweis, überzeugt uns angesichts der datenschutzrechtlichen Risiken nicht“, erklären sie. „Zwar scheint die Projektleitung für den Datenschutz sensibilisiert zu sein, die Karte bietet jedoch die technische Grundlage für tiefgreifende Kontroll- und Ausschlussmechanismen.“ Mit der Karte würde man in der Mensa essen, Bücher in der Bibliothek ausleihen und später auch die U-Bahn benutzen. Auch eine Schlüsselkartenfunktion sei technisch möglich, wenn auch vorerst nicht an der HU geplant. „Die Einführung der CampusCard ist ein politischer Schritt, der Teil des Prozesses der zunehmenden Digitalisierung zur Vereinfachung von Kontrolle und Überwachung ist.“

Auch Ansgar Heitkamp, der Datenschutzbeauftragte an der HU erklärt, Kartensysteme hätten häufig Probleme beim Datenschutz. Doch bei der CampusCard gibt er sich zuversichtlich. Schon früh wurde er an den Planungen beteiligt und konnte so sensibilisieren. Die Chipkarte ist ein aktuelles Modell mit einer hohen Verschlüsselungsstufe, trotzdem sind auf dem elektronischen Chip keine persönlichen Daten gespeichert. Ausgelesen werden kann nur eine nochmals verschlüsselte Seriennummer, die in einer gesicherten Datenbank auf Servern der HU mit den Studierendendaten verknüpft ist. Außerdem werden die Daten der integrierten Mensacard von den Universitätsfunktionen technisch getrennt, so dass die Mensanutzung weiterhin anonym bleibt. Auch die sichtbar aufgedruckten Daten sind auf das tatsächlich Notwendige reduziert: Semesterzahl, Studienfach und angestrebter Abschluss werden nicht mehr genannt. Heitkamp steht der Einführung deswegen insgesamt positiv gegenüber. Datenschutz sei auch ganz im Sinne der Universität, erklärt er. Letztlich funktioniere ein elektronisches Kartensystem schließlich nur über die Akzeptanz der Nutzer.