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Universalsprachen, Foto: B.Sauer-Diete/bsd-photo-archiv

Geschrieben von Benjamin Knödler

Berlin, 23. Januar 2013

Der kleine Raum im Lichthof der Humboldt-Universität ist voll und heiß. Viele Menschen haben am Abend des 7. Januars 2013 den Weg zur Ausstellung der Kleinen Humboldt Galerie gefunden. Die Ausstellung trägt den Titel „Universalsprachen“. Es ist ein erstaunlich bunt gemischtes Publikum, das sich an diesem Abend zusammen gefunden hat: ältere und jüngere Typen von Künstlern und auch Freunde von Kunst und Künstlern.

Erstaunlich bunt deshalb, weil es wohl attraktivere Titel und Themen für eine Kunstausstellung gibt als „Universalsprachen“. Das mag daran liegen, dass man sich darunter nicht so viel vorstellen kann –  vielleicht ist es aber auch diese gewisse, wissenschaftliche Trockenheit, die zunächst auffällt. Insofern ist die Ausstellung in einer Universität ganz gut aufgehoben.

Die zwölf Exponate der Künstler, die sich auf verschiedene Weisen dem Thema widmen, klären bald, dass sich der Begriff nicht wirklich eingrenzen lässt. Universalsprache, so scheint es – kann alles sein, wodurch sich Menschen auch über die Grenzen der eigenen Landessprache hinaus verständigen können.

Fast schon bezeichnend  begann daher auch der dänische Performance-Künstler Olof Olsson seine zwanzigminütige Live-Performance, gleichzeitig der offizielle Eröffnungsakt, mit den Worten: ,,Can everybody hear me?“. Es folgte ein Vortrag, dessen Inhalt so gar nicht zur sachlichen Art passen wollte, in der Olsson da sprach. Von Eiern hangelte er sich zu metaphysischen Überlegungen zur Zeit und weiter bis hin zu Schallplatten. Im Spannungsfeld zwischen Vortragsweise und komödiantischem Inhalt stand allerdings immer Sprache im Zentrum seines Interesses. Allein die Performance war, obwohl erheiternd, doch nicht immer wirklich zugänglich.

Interpretationshilfe ist nicht nur bei der Eröffnungsperformance von Nöten. Auch die Exponate erschließen sich oft nicht auf den ersten Blick. Das informative Begleitheft ist am Ende des Abends ziemlich abgegriffen. Bei Vera Buhß‘ Installation etwa irritiert eine künstliche Kehle durch ihr unregelmäßiges Dröhnen und ihre recht außerirdisch anmutenden Antennen. Der Betrachter weiß damit zunächst so gar nichts anzufangen. Ebenfalls zum Nachdenken regen Yoonhee Kims „Rolling Books“ an. Bücher verschiedener Sprachen laufen auf zwei Rollen gegeneinander. Ihre Seiten berühren sich, scheinen aneinander hängen zu bleiben und finden dann eben doch nie wirklich zusammen, sondern lösen sich wieder. Bei Ivar Veermäes Videoinstallation „iTouch“ erkennt man die Sprache, welche die Hände des Künstlers auf glatten Flächen von Fenstern, Garagentoren oder Werbeflächen sprechen, erst auf den zweiten Blick. Es ist das allgegenwärtige Wischen und Tippen auf Touchscreens.

Andere Beiträge wie etwa Ben Pattersons Bodeninstallation „Aliens keep out“ machen ihre ironische und kritische Haltung gegenüber der Idee der Universalsprachen dagegen etwas überdeutlich. Auch die Idee, den Schritt von Universalsprache hin zum Bild als etwas universell Verständliches zu gehen, ist eine eher naheliegende. Das kann platt sein, muss es aber nicht. Eun Hee Lees Bildern fehlt es nicht an Originalität –  der Künstler hat zu verschiedenen Begriffen wie „Leben“, „schön“ oder „Realität“ Bildbände mit Fotos erstellt, die er bei der Google- Bildersuche nach diesen Begriffen gefunden hat. Da findet sich Skurriles wie Befremdliches.

Am Ende des Rundgangs hat man dennoch nicht alles wirklich begriffen. Auch das ist ja irgendwie eine Botschaft. Nicht alles ist jedem verständlich zu machen, nicht mal durch den Versuch, universalsprachliche Worte zu finden. Doch egal, ob die Kunstwerke nun kryptisch verschlüsselt oder naheliegend sind: Der Ausstellung gelingt es, eine Bandbreite zu zeigen. Hier passt Politisches ebenso hinein wie Informatik, Philosophie oder Grafik. Und vor allem: Es finden sich auch viele kritische Stimmen. Die Idee der Universalsprache wird eben nicht glorifiziert. Es lohnt sich also, einen kleinen Abstecher vom manchmal etwas trockenen Uni-Alltag zu machen, und im Lichthof die bunte Vielfalt der Ausstellung zu betrachten. Nur etwas Zeit sollte man mitbringen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 01.02.13 im Lichthof im Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin zu sehen zu sehen, immer mittwochs bis freitags von 12 bis18 Uhr. Der Eintritt ist frei.