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The Necessary Death of Charlie Countryman, Foto: Berlinale

Geschrieben von Charlotte Vollenberg

Berlin, 10. Februar 2013

,,If I die, I’ll die for love. That’s a pretty fucking cool way.”

Charlie Countryman wird am Ende dieses Films sterben. Dessen ist sich der Zuschauer bereits nach der ersten Szene bewusst. Man sieht das blutüberströmte Gesicht des jungen Mannes, der von Shia LaBeouf gespielt wird.  Kopfüber baumelt dieser von einer Brücke über einem reißenden Fluss in Bukarest. Gabriela (Evan Rachel Wood), die Liebe seines Lebens, schießt ihm in den Bauch.

„This is the face of love. And yes, this boy is dying.”, kommentiert John Hurts markige Stimme  aus dem Off die bizarren Bilder. Dann beginnt die eigentliche Geschichte aus der Retrospektive.

Charlie ist in einem Krankenzimmer  dabei, wie Ärzte die lebenserhaltenden Geräte seiner todkranken Mutter (Melissa Leo)  abschalten. „She was my home. Today, I’m going to lose the only home I’ve ever had.“ Das hat sein Stiefvater auf der Fahrt in das Chicagoer Krankenhaus prophezeit. Kurz darauf sitzt Charlie im Flieger nach Rumänien. Die Reise war nicht seine Idee, der Geist seiner Mutter hat ihm dazu geraten.

In Bukarest nimmt sein aus zufälligen Begegnungen und Drogentrips gestricktes Schicksal seinen Lauf, nach dem er sich in eine rumänische Cellistin verlieben soll. Diese ist leider die Ex-Freundin des skrupellosen Drogendealers Nigel (Mads Mikkelsen) ist und wird sein Verhängnis sein. Auf dem Weg dahin begegnet er einigen merkwürdigen Charakteren wie dem werdenden Pornodarsteller Carl, gespielt von Rupert Grint, der unter einer Überdosis Viagra zu leiden hat. Zu seinen Bekanntschaften zählt auch Clubbesitzer Darko, der von Til Schweiger in bester Til-Schweiger-Manier verkörpert wird. Im Streit um ein ominöses Videoband und um Gabriela macht Charlie sich Nigel zum Feind, der ihn jagen und schließlich Gabriela dazu bringen wird, ihn umzubringen.

“The Necessary Death of Charlie Countryman“ kann wohl am besten als eine romantische Independent-Action-Tragikomödie bezeichnet werden. Mit den Hauptthemen Liebe und Tod. Ob das zusammenpasst? Nicht wirklich. Regisseur Fredrik Bond und Autor Matt Drake gelingt es am besten, den komischen Teil ihrer Geschichte zu erzählen.

Rupert Grint, der immer irgendwie Ron Weasley, der Freund von Harry Potter, sein wird, auf Ecstasy in einem Stripclub ist schon amüsant genug. Auch wenn sich Darko über James Bond-Bösewichte lustig macht (wohlgemerkt ist Mads Mikkelsen, der den Bösewicht in „Casino Royale“ spielte, sein Komplize) oder Charlie – als neues Alter Ego des “Transformers“-Stars Shia LaBeouf – mehrmals Probleme mit der Gangschaltung eines Oldtimers hat, entfährt dem cinematophilen Zuschauer das ein oder andere reflexartige Kichern.

Die actionreichste Szene des Films ist wohl eine Verfolgungsjagd durch die Bukarester U-Bahn, die jedoch mehr wie ein Musikvideoclip auf Acid wirkt. Dank des Soundtracks von Moby ist allerdings auch dies äußerst sehens- und hörenswert.

Der Schwachpunkt von “The Necessary Death of Charlie Countryman“ ist dummerweise  die Romantik. An dieser Stelle muss man einen etwas abgedroschenen Satz bemühen: Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt nicht. Die einzige Szene mit Charlies Mutter und seinem Stiefvater erzeugt mehr Gänsehaut als es Charlies Liaison mit Gabriela im ganzen Film zu schaffen vermag. Zwischen der Rumänin mit den übermäßig schwarz geschminkten Augenlidern und dem durchtrainierten Hipster scheint es einfach nicht zu funken. Hinzu kommt, dass der rumänische Akzent der Amerikanerin Rachel Wood als Gabriela leider ebenso dick aufgetragen ist wie ihr Lidschatten. Shia LaBeouf liefert allerdings eine bemerkenswerte schauspielerische Leistung ab, die Charlies Handeln, so lebensmüde es manchmal auch erscheinen mag, immer nachvollziehbar macht.

An einigen Stellen in Fredrik Bonds Werk meint man, Einflüsse Woody Allens zu erkennen. Nur spielt in den betreffenden Allen-Filmen zumeist eine Stadt die Hauptrolle. Was das betrifft, kommt Bukarest, obgleich ein sehr interessanter und ausgefallener Schauplatz, ein wenig zu kurz. Eine einzige, wenn auch sehr beeindruckende und mit toller Musik unterlegte Aufnahme aus der Vogelperspektive vermag dies nicht wettzumachen.

“The Necessary Death of Charlie Countryman“ läuft im Wettbewerb der Berlinale. Der große Abräumer wird dieser Film wohl nicht werden, aber sehenswert ist er allemal. Und vielleicht kann man sich sogar auf ein Happy-End freuen. Denn Nichts ist so ungewiss wie die Liebe. Und der Tod.

USA 2013, 107 Minuten
Sektion: Wettbewerb
Sprache: Englisch
Regie: Fredrik Bond
Darsteller u.a.: Shia LaBeouf, Evan Rachel Wood, Mads Mikkelsen, Melissa Leo
Kinostart: noch ohne Termin